Sonntag, 27. Oktober 2013

Zweiter Tag – auf gehts! (Dienstag, 10.09.2013)

So schnell gings dann doch nicht mit der Motivation. Morgens bin ich mit einem mulmigen Gefühl aufgewacht und fragte mich: “Was machst du eigentlich hier!?” Es kam mir so vor als hätte ich alles organisiert, geplant und in die Wege geleitet und würde mich jetzt erst fragen, ob ich überhaupt ein Auslandssemester machen möchte. “Que raro..” würde der Spanier sagen – wie merkwürdig. Ein bisschen musste ich auch darüber lachen, weil das so bescheuert ist. Aber irgendwie wäre ich in dem Moment am liebsten zu Hause gewesen. Nun gut, zu Hause anrufen oder schreiben wollte ich dann auch nicht, weil ich das Gefühl eigentlich so schnell wie möglich wieder loswerden wollte.

Deswegen hab ich mich lieber aufgerafft und die Zeit hat genau gepasst, dass ich mit Esther frühstücken konnte. Danach ging es dann in einen Handyladen, um eine spanische Simkarte zu besorgen. Das ging noch nicht, weil ich noch die Reisepassnummer brauche, also muss der Laden ein anderes Mal aufgesucht werden.

Dann endlich machte ich mich auf den Weg zur Hochschule. Auch wenn die Sprechzeit vom Sekretariat laut Internet (falls jemand tatsächlich schon arbeitet) schon vorbei war, wollte ich einfach schonmal schauen, wo die Hochschule ist und sie mir anschauen. Also eine 10er-Karte in der Metro gekauft und bei Atocha ausgestiegen. Da musste ich dann erst mal ein Foto vom Kreisel und der Bahnhofsfront machen – sehr imposant!
 
 
 
Die Hochschule war dann einfach zu finden, da sie direkt neben dem Museo Reina Sofia liegt und das Museum ausgeschildert ist. Ja und dann stand ich vor dem großen Gebäude: “Real Conservatorio Superior de Música de Madrid”.
 
 

Das große Tor war verschlossen, aber um die Ecke fand ich dann den Eingang und einen Pförtner, sowie einen Informationsschalter. Nagut, dann muss ich wohl direkt mit jemandem sprechen... Nochmal meine Notizen angeschaut und ein paar Wörter zurechtgelegt und los gehts. Ok, also am Eingang natürlich erstmal ein paar Zettel angeschaut und sich ein bisschen umgeschaut..bevor ich dann tatsächlich auf den Mann am Schalter zuging, der wohl schon darauf gewartet hatte. Ich erklärte ihm also, dass ich im nächsten Semester hier studieren werde, und fragte, wo ich denn weitere Informationen bekommen könnte und ob er wüsste, wann das Semester beginnt. Das wusste er und sein Kollege, den er zu Rate zog, natürlich* nicht, was aber daran lag, dass es noch nicht feststand. Äh, ja, gut. Es ist ja nicht erst September... Aber ich solle ruhig im Sekretariat mal nachfragen, sagte er mir dann, nachdem ich nach dem Erasmuskoordinator gefragt habe, allerdings wäre am Morgen eher jemand da. Aber das hatte ich ja an den Sprechzeiten im Internet schon gesehen. Die Position des “Jefe de Estudios” hätte sich aber wohl geändert und ich bekam die Auskunft, wer das seit Neustem ist – ob das jetzt das selbe wie der Erasmuskoordinator ist, muss ich noch herausfinden. Ich bedankte mich erstmal und schaute mir dann die Hochschule genauer an.

Sie ist ganz schön groß und hat ziemlich viele Räume, davon kann die Mainzer Hochschule nur träumen. Vom Stil etwas älter, aber sieht ehrwürdig und schön aus.



Auf dem Gang habe ich ein Mädchen angesprochen (allgemein war eigentlich nix los), in der Hoffnung, dass sie vielleicht weiß, wann das Semester ungefähr anfängt und wie der Beginn so läuft, auch mit der Kurswahl. So erhielt ich die Information, dass es einen Tag gibt, an dem alle Studenten kommen und sich in die Kurse eintragen. Danach beginnt irgendwann der Unterricht. Das Treffen ist wahrscheinlich nächste Woche, aber das steht noch nicht fest. Bei meinem weiteren Rundgang habe ich noch mit zwei anderen Damen gesprochen, wovon eine (die, die ich verstanden habe) auch schätzte, dass das Treffen nächste Woche ist. Aber ich könne gerne schon hier üben, im Moment wären die Räume nicht besetzt. Sie setzte sich danach in ein Häuschen auf dem Gang, scheint so, als wäre ihr Job, die Räume zu kontrollieren und aufzupassen. Von den Häuschen steht auf jedem Stockwerk eins.
 
 

Nach meinem ausführlichen Rundgang verließ ich dann die Hochschule mit einem freundlichen “Adios” zum Wärter am Eingang.

Na also, die erste Hürde ist geschafft! Es ist ja gar nicht so schwer – irgendwie klappt das schon mit dem Sprechen und Verstehen. Da war ich doch ein bisschen stolz und froh, dass ich es einfach probiert habe. Ich bin gespannt auf morgen, wie es im Sekretariat klappt und ob ich tatsächlich mehr Informationen erhalte.

Nun machte ich mich auf den Weg ins Zentrum. Am Tirso de Molina konnte ich übers freie Wlan eine kurze Nachricht nach Hause schicken und ging weiter zum Plaza Mayor, den ich mir beim Weltjugendtag (WJT) 2011 nicht anschauen konnte.
 

 
 
Noch habe ich keine Stelle entdeckt die mir vom WJT bekannt vorkommt, bis ich auf dem Plaza del Sol ankam.
 

Dort steht die Statue “El oso y el madroño” (der Bär und der Erdbeerbaum), das Wappensymbol von Madrid. Diese Statue mag ich sehr gerne, deshalb war das auch mein Ziel, um Madrid “Hallo” zu sagen.

 
In den Straßen um den Platz herum war einiges los (obwohl es das ja immer ist), schien ein Fest zu sein, aber ich konnte nicht herausfinden welches. Ich erinnerte mich auch an das Restaurant, in dem wir zum ersten Mal beim WJT mit unseren Coupons essen waren. Noch konnte ich es nicht finden, aber ich halte die Augen offen. Mit der Metro machte ich mich dann auf den Weg nach Hause und musste mich beim Aussteigen erstmal orientieren, weil ich einen anderen Ausgang genommen hatte. Nach einem weiteren Einkauf wurde zu Hause wieder mit der Familie telefoniert und danach saß ich mit Esther zusammen und wir haben angefangen Post-its zu beschriften. Nun hängt die Wohnung voller Zettel auf denen das jeweilige Objekt mit seinem spanischen (für mich) und deutschen (für Esther) Namen steht (auch die Dunstabzugshaube hat ein Zettelchen..), Esther lernt nämlich deutsch, wobei sie schon sehr gut spricht, wie ich finde. An diesem Abend habe ich mich auch endlich bei Duolingo angemeldet, wonach mich Daniel ja schon seit einem halben Jahr fragt und versuch ab jetzt Punkte aufzuholen!
Dann aber endlich ins Bett, morgen früh auf ein Neues!

 
* Warum natürlich? Die Vorgeschichte fehlt. Bei der Planung meines Auslandsaufenthaltes von Mainz aus gab es schon einige Ausblicke auf die Desorganisation des Ganzen. Das fing damit an, dass das Erasmusbüro keine bzw. wenig Erfahrung mit Auslandssemestern von Musikstudenten hat. Somit hatten sie also keine Kontaktdaten, Ansprechpartner oder sonstige Informationen für mich. Ok, das habe ich aus dem Internet herausgesucht und alle weiteren Informationen über eine lange Zeit mühsam zusammengeklaubt. Darunter die Bedingungen für eine Bewerbung, eventuelle Abgabetermine der Bewerbung etc. Dabei war aber noch nicht herauszufinden, wann die Semester überhaupt anfingen, das stand auch nicht auf der Internetseite der Hochschule. Sobald es bekannt ist, würde es dort aber zu lesen sein. Gut, dachte ich, wird ja wohl bald geplant sein. Im Juli, also gegen Ende des Semesters in Mainz, war ein Datum immer noch nicht bekannt. Da wir die Prüfung für das Popmusik-Seminar allerdings bald mal festlegen wollten und dafür September angepeilt war, habe ich nochmals versucht nachzufragen. Das Erasmusbüro in Mainz wusste das natürlich nicht und eine Antwort aus Madrid erhielt ich nicht. Gut, dass der Prüfungstermin anders geregelt werden konnte (Ende August), aber für mich stellte sich die Frage, wann soll ich denn anreisen? Ursprünglich hatte ich wegen Erfahrungsberichte anderer Studenten und Zeiten von anderen Unis in Spanien damit gerechnet, dass das Semester Anfang September beginnt. Um die Taufe von Marlene noch mitzubekommen wählte ich also den frühstmöglichen Termin danach. In der Woche davor war ich ja nochmal in Mainz, um die letzten Dinge aus meinem Zimmer zu räumen und war bei der Gelegenheit nochmal beim Erasmuskoordinator für Musik in Mainz, der versucht hat, in Madrid an der Hochschule anzurufen, aber keinen erreicht hat (er kann glücklicherweise super Spanisch). Erst am Tag darauf hatte er den Sicherheitsdienst am Apparat, der eigentlich nur durch Zufall das Telefon gehört hat und rangegangen ist. Von diesem bekamen wir dann die Auskunft, dass im Moment noch niemand am Arbeiten ist, erst am 01.September wieder. An diesem Tag rief der Koordinator wieder an und konnte mit dem Sekretariat sprechen, was aber auch nicht ganz hilfreich war, denn dort war wieder einmal die Aussage zu hören, dass noch nicht bekannt ist, wann das Semester losgeht und es bei Bekanntwerden auf der Internetseite steht. Nun gut, dann war also erstmal der Plan, am 09.September hinzufahren und dann eben dort persönlich zu erscheinen und zu erfragen wie es weitergeht.

1 Kommentar:

  1. Sehr schöner Tagesbericht.
    Zwischen den Zeilen kann Deine Gefühle lesen und mitfühlen wie es dir geht.
    Kuss Papa

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Genau, gib mal deinen Senf dazu ab! :-)